Überregionaler Arbeitskreis „Soziale Stadt“ tagte am 28.05.2015 im Haus der Kulturen

sozstadt5.15

Am 28.05.2015 hat der überregionale Arbeitskreis „Soziale Stadt“ – der Arbeitskreis der „Sozialen Stadt – Städte“ in der Stadt Osterholz-Scharmbeck im Haus der Kulturen stattgefunden.

Vertreten sind in diesem Arbeitskreis zum Austausch hinsichtlich förderfähiger baulich-investiver und sozial-integrativer Maßnahmen das Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg sowie Leine-Weser, das Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, die NBank Hannover, die Landesarbeitsgemeinschaft Soziale Brennpunkte e.V., die „Sozialen Stadt“ – Städte: Achim, Celle, Cuxhaven, Lüneburg, Osterholz-Scharmbeck, Stade und Winsen (Luhe), die Sanierungstreuhänder BauBeCon Bremen und ASK Hamburg sowie für Osterholz-Scharmbeck das Planungsbüro ARGEPLAN Hannover.

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Osterholz-Scharmbecker Bericht:

 Sozial-integrative Maßnahmen Osterholz-Scharmbeck in 2015

Die sozial-integrative Arbeit hat sich in der Stadt Osterholz-Scharmbeck verändert:
Seit einem Jahr steigt die Zahl der Asylbewerber in Deutschland fast kontinuierlich. Nach Schätzungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge – BAMF - werden in 2015 300.000 Flüchtlinge erwartet.

Flüchtlingsbewegungen wurden in den letzten Jahren von unvorhersehbaren Faktoren beeinflusst, wie etwa dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien oder den dramatischen Machtwechseln in den arabischen Ländern seit 2011.

Der Stadt Osterholz-Scharmbeck werden neben Flüchtlingen aus Syrien auch Flüchtlinge aus Serbien oder dem Sudan zugewiesen. In Osterholz-Scharmbeck sind in diesem Jahr von den 150 angekündigten Flüchtlingen bereits 90 eingetroffen.

Die steigende Zahl der Flüchtlinge sowie auch die öffentliche Debatte um Islam und Muslime mit dem Kopftuch-Urteil, der Beschneidungsdebatte sowie gewaltbereite Salafisten stellt die Kommunen, wie auch die Stadt Osterholz-Scharmbeck, in der sozial-integrativen Arbeit vor große Herausforderungen.

Die Stadt Osterholz-Scharmbeck setzt sich unter dem Motto „Viele Kulturen – eine Stadt Osterholz-Scharmbeck“ seit Jahren mit der anwachsenden Diversität in der Gesellschaft auseinander.

Im vergangenen Jahr hat sich die Stadt Osterholz-Scharmbeck in den politischen Gremien mit der Ausrichtung der kommunalen Maßnahmen und dem Einsatz der vorhandenen Ressourcen auseinandergesetzt / siehe auch „Rahmenbedingungen für Asylbewerberfamilien in OHZ“.

Zeitgleich hat die Stadt Osterholz-Scharmbeck eine „Willkommensbroschüre – Auf Gute Nachbarschaft“ für die vielen neu ankommenden Flüchtlingsfamilien herausgegeben.
Herausgestellt werden konnte, dass in der Stadt durch die langjährige sozial-integrative Arbeit auf vorhandene Ressourcen, Strukturen und Angebote, die vornehmlich in dem „Soziale Stadt“-Begegnungszentrum hier am Quartiersplatz Mozartstraße „Stadtteilhaus – Haus der Kulturen Osterholz-Scharmbeck“ oder auch in unserm Stadtteilbüro in der Drosselstraße oder dem Jugendhaus Am Pumpelberg, usw., umgesetzt werden, zurückgegriffen werden kann.

In der politischen Beratung wurde vertiefend auf die Frage eingegangen, was im Sinne einer umfassenden Strategie mit Blick auf konkrete Umsetzungsschritte für die Zukunft entwickelt oder weiter angepasst werden muss.

Ansätze sind:

Um Flüchtlinge angemessen zu unterstützen, hat die Stadt Osterholz-Scharmbeck im März d.J. die Initiative „OHZ-Hilft“ mit dem Bürgerforum-Netzwerk zur Etablierung der Willkommenskultur und dem Internetportal www.ohz-hilft.de ins Leben gerufen.

Hier können sich Einheimische ehrenamtlich per Mail mit ihren Ideen einbringen und Flüchtlinge können durch die mehrsprachige Aufbereitung des Internetportals „Hilfe finden Sie Hilfe“, z.B. hinsichtlich der Sprachkurse, der Beratungsangebote oder hinsichtlich der Suche nach Kleiderbörsen, wie dem „Kleider-Kreisel“ hier im Haus der Kulturen, fündig werden.
Oftmals verfügen Flüchtlinge über ein Smartphone, um den Kontakt zu ihren Familien in den Herkunftsländern nicht zu verlieren. Demnächst können sie sich über „OHZ-Hilft“ „per Smartphone zu den wichtigen Orten in der Stadt“ navigieren lassen.

Es wurden verschiedene Arbeitsgruppen eingerichtet, die überwiegend mit Ehrenamtlichen und örtlichen Institutionen, wie den Kirchengemeinden oder der Lebenshilfe, besetzt sind, unter anderem

  • um Flüchtlinge auch weiterhin dezentral unterbringen zu können. Herausgegeben worden ist nun eine Kurzbroschüre für privat Wohnungsanbietende. Damit soll auch erreicht werden, neu ankommende Flüchtlingsfamilien nicht ausschließlich in der Mozart- und Drosselstraße unterbringen zu müssen, sondern über die Stadt zu streuen. Ein „Wohnen im Alter in den eigenen vier Wänden“ kann auch durch eine Untervermietung einer Haushälfte an eine Flüchtlingsfamilie gelingen. Interessierte finden über die Broschüre konkrete AnsprechpartnerInnen im Rathaus der Stadt.
  • um Flüchtlinge kennenzulernen, gibt es verschiedene BegrüßungsCafés, wie z.B. im Haus der Kulturen mit ehrenamtlichen SprachmittlerInnen, um sich gleich von Beginn an verständigen zu können und die Flüchtlinge z.B. in die Sprachkurse im Haus der Kulturen oder bei der Ländlichen Erwachsenenbildung – LEB zu leiten oder ihnen durch bereitwillige Paten Hilfe bei Behördengängen geben zu können.
    SprachmittlerInnen bzw. KontaktmittlerInnen sind dabei die Menschen mit Migrationshintergrund, die schon seit Jahren hier in der Mozart- oder Drosselstraße wohnen und so für sich eine „wichtige Aufgabe“ erkennen.
  • um Flüchtlinge eine Teilhabe am Gemeinwesen zu ermöglichen und sie buchstäblich willkommen zu heißen. Gearbeitet wird momentan an einem Stadtplan, aus dem die verschiedenen Treffpunkte und andere „wichtige Orte“ hervorgehen.
    Die verschiedenen Institutionen öffnen ihre Veranstaltungen mit vielfältigen Mitmach-Aktionen für Flüchtlingsfamilien, wie das LINES Fest der Vielfalt im Lernhaus am Campus – im Lernhaus am Campus ist auch das neue Kinder- und Jugendbüro eröffnet worden - das Jubiläumsfest vom Mehrgenerationenhaus am 30.05.2015 oder das große Polizeifest in Zusammenwirken mit der Polizeidirektion Oldenburg am 28.06.2015 in der Stadt.
  • um Flüchtlinge beschäftigen zu können sind wir dabei, sie in (Sport-)Vereine einzubinden. Der ATSV Scharmbeckstotel war auch bei unserem „Internationalen Familientag“ am 21.05.2015 im Haus der Kulturen mit einem Info-Tisch vertreten, um Flüchtlinge selbst anzusprechen.

Angefangen werden konnte mit der Maßnahme „Freiwillig und gemeinnützig im Haus & Garten der Kulturen“ mit verschiedenen Pflanzaktionen, an denen sich u.a. Flüchtlinge aus dem Sudan mit großem Eifer eingebracht haben. Was folgen soll ist eine kontinuierliche Gartenarbeit für 1,05 Euro die Stunde.

Durch die Arbeiten der Jugendwerkstatt des Landkreises in dem Außenbereich vom Haus der Kulturen, z.B. mit dem Pavillon oder auch einen XXL-Insektenhotel, steigt die Bereitschaft bei den Flüchtlingen, aber auch bei den schon länger hier lebenden MigrantInnen und auch bei den Einheimischen, mitzumachen und gleichzeitig darauf zu achten, dass gemeinsam Geschaffenes, z.B. die Anpflanzungen im Kräuterhochbeet, nicht wieder zerstört werden.
Neben der Koordinierung auf Landkreisebene wird es in der nächsten Zeit im Rathaus der Stadt Osterholz-Scharmbeck ein „Willkommensbüro“ mit einer Flüchtlingssozialarbeiterin geben. Diese Kraft wird Neuankömmlinge zu den verschiedenen Fachbereichen begleiten, um sich anmelden zu können oder Kinder für eine Kindertagesstätte oder den Schulbesuch anzumelden. Es geht aber auch darum, z.B. den Familien, die aufgrund eines „sicheren Herkunftslandes“ nicht bleiben dürfen, wen Weg zurück zu ebnen.

Finanzierung:

Hinsichtlich der Finanzierung der Maßnahmen wird aus dem städtischen Budget für sozial-integrative Maßnahmen und mir als Integrationsbeauftragte der Stadt oder aus anderen fachbezogenen Budgets geschöpft.

Eine wichtige Unterstützung bietet nach wie vor das „Soziale Stadt“ Quartiersmanagement vor Ort, das in der Stadt Osterholz-Scharmbeck in Kooperation mit der Bildungsvereinigung ARBEIT UND LEBEN in Oldenburg erfolgreich umgesetzt wird.

Gemeinsam mit der Abfall Service GmbH – A.S.O. kann jetzt die Mobilität von Asylbewerbern durch die Bereitstellung von reparierten „Schrott-Fahrrädern“ erhöht werden. Beim „Internationalen Familientag“ am 21.05.2015 konnten auf dem Wege elf Fahrräder verschenkt werden. Kleine Reparaturen können durch die „Mobile Fahrradwerkstatt“ hier am Haus der Kulturen erfolgen.

Die Bevölkerung zeigt darüber hinaus eine spürbare Bereitschaft, z.B. Sachspenden einzubringen.

In guter Zusammenarbeit mit dem DRK Ortsverband, der eine Kleiderkammer unterhält, und dem Second Hand „Kleider-Kreisel“ im Haus der Kulturen können sich Flüchtlingsfamilien entsprechend der Witterung kostenfrei einkleiden und erhalten notwendige Hausratsgegenstände.

Bei Second Hand Mobiliar hilft die Yezidische Gemeinde OHZ, das gespendete Gebraucht-Mobiliar zu den Wohnungen zu transportieren.

Und die verschiedenen Treffpunkte können momentan, wie bei der Yezidischen Gemeinde oder neu bei der Kirchengemeinde St. Willehadi oder der Lebenshilfe, in vorhandenen Räumen dieser örtlichen Institutionen stattfinden.

Darüber hinaus zeigt z.B. auch der Lions Club eine große Bereitschaft, finanziell zu helfen.
In Erwägung gezogen wird zudem, einen AMIF-Antrag zu stellen oder weitere Beschäftigungsmaßnahmen aus dem Asylbewerberbegleitungsgesetz abzuleiten und in Kooperation mit dem Landkreis Osterholz umzusetzen.

Kontakt:
Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragte Karin Wilke
Tel.: 04791/17353, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Mitarbeiterinnen vom Haus der Kulturen
Tel.: 04791/8079728, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!